Prof. Wolffgang beim Zollwärts-Kongress in Essen: Zoll im Wandel

Oktober 22, 2026

Am 24. und 25. September 2026 fand in Essen der Zollwärts-Kongress für Innovation in Zoll und Außenwirtschaft statt. Zum Programm gehörten Vorträge, praxisnahe Workshops, ein Barcamp und Networking-Formate. Prof. Hans-Michael Wolffgang wirkte an der Gesprächsrunde „Zoll im Big Shift” mit, in der es um den Einfluss von Geopolitik, Zollrechtsreform und Künstlicher Intelligenz auf den Zoll ging. Eröffnet wurde die Runde mit seiner Präsentation, die rund vier Jahrzehnte Zoll- und Außenhandelsentwicklung mit den heutigen Anforderungen an Unternehmen verband.

Ende der 1980er-Jahre war die Zollabwicklung weitgehend papierbasiert. Mit Zollkodex und Unionszollkodex setzten sich digitale Verfahren schrittweise durch. Zugleich erweiterte sich die Rolle des Zolls: Neben die Abgabenerhebung trat, vor allem nach den Terroranschlägen in den USA, die Sicherheitsfunktion. Auch das handelspolitische Umfeld hat sich verschoben. Mit der Welthandelsorganisation verband sich die Hoffnung auf mehr Freihandel, heute prägen vor allem die USA und China den Welthandel. Unternehmen müssen Freihandelsabkommen, Handelsschutzmaßnahmen, Investitions- und Exportkontrollen sowie weitere regulatorische Anforderungen gleichzeitig im Blick behalten. Unsicherheit und Komplexität nehmen entsprechend zu.

Die EU-Zollreform mit dem Customs Data Hub verändert vor allem Form und Zeitpunkt der Datenbereitstellung. Die weiterhin erforderlichen Informationen sollen künftig in einem gemeinsamen Datenraum vorliegen, möglichst schon vor Ankunft der Ware. Zollverantwortliche müssen deshalb früher in die internen Abläufe eingebunden werden. Stammdaten, Datenqualität und Prozesssicherheit sind bereits vor der Anmeldung sicherzustellen, was eine engere Zusammenarbeit von Einkauf, Logistik, Zoll und weiteren Fachbereichen voraussetzt.

KI kann die Zollarbeit bei Recherchen, bei der Zusammenfassung rechtlicher Grundlagen, bei der Tarifierung, beim Auslesen von Dokumenten und bei der Verarbeitung großer Informationsmengen unterstützen. Voraussetzung sind die Einbindung in die Unternehmenssysteme und eine verlässliche Datengrundlage. Auch die Zollverwaltung nutzt KI, um Daten auszuwerten und Unstimmigkeiten zu erkennen. Unternehmen sollten ihre Daten daher vor der Übermittlung konsistent aufbereiten. Die Zollfunktion rückt damit stärker an die Schnittstelle zwischen Abwicklung, Datenmanagement, Compliance und Lieferkette.

Geopolitische Veränderungen erschweren die langfristige Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten, Produktionsstandorten oder Absatzmärkten. Als strategische Maßnahmen wurden genannt: Lieferketten durch zusätzliche und regionale Lieferanten diversifizieren, bei kritischen Komponenten strategische Lagerbestände prüfen, Produktion und Absatzmärkte geografisch breiter aufstellen sowie Zoll- und Handelsrisiken in Entscheidungen und Verträgen berücksichtigen.

Der Zoll hat sich damit zu einem daten- und technologiegetriebenen Aufgabenfeld entwickelt, dessen strategische Bedeutung durch geopolitische Risiken, Handelsbarrieren und regulatorische Anforderungen weiter wächst. Für Unternehmen heißt das: Zollverantwortliche frühzeitig in die Unternehmensprozesse einbinden, Stammdaten, Datenqualität und Prozesssicherheit systematisch verbessern, KI prozessintegriert einsetzen, Lieferketten, Produktionsstandorte und Absatzmärkte breiter aufstellen und Zoll- und Handelsrisiken stärker in operative wie strategische Entscheidungen einbeziehen.